Was ich von meinem Ruhetag lerne


Es gibt wohl keine Bibelstelle, mit der ich so lange auf Kriegsfuss stand, wie die aus 2. Mose 20:

8 Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun, 10 aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst [an ihm] keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore [wohnt]. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag; darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

Wir Christen sind ja gut im ignorieren von unpässlichen Bibelstellen – aber die mit dem Sabbat ist ja immerhin Teil der Zehn Gebote und daher nicht ganz einfach weg zu denken. Bis anhin hatte ich auch gute Ausflüchte: Ich arbeite schliesslich in der Kirche (was ja ganz wichtig ist), ich bin in so vielen Projekten mit dabei, das Studium sollte auch mal fertig werden, so was geht mit Kindern doch gar nicht… Die Liste liesse sich noch lange weiter führen. Schlussendlich konnte ich mich doch dazu durch ringen, besser einen halben Versuch, als gar keinen zu wagen. Seit einiger Zeit ist der Dienstag nun mein Sonntag – oder eben Freitag.

Meine Erfahrungen bisher:

  1. Die Welt dreht sich auch ohne mich! Eine schöne Erfahrung, dass ich gar nicht so wichtig bin und mich daher auch gar nicht so wichtig nehmen muss. Viele Dinge, gerade Mails oder Telefone, können auch mal ein paar Tage warten – und gewisse Dinge erledigen sich sogar von selber, wenn man nicht gleich reagiert.
  2. Nichtstun muss zuerst gelernt sein. Und ehrlich gesagt: ich übe immer noch. Doch gerade im Nichtstun, im Entschleunigen, im Runterfahren liegt ein Geheimnis: die schöne Erkenntnis, das mein Wert als Mensch nicht in dem liegt, was ich tue, sondern in dem, was ich bin
  3. Ganz ohne geht es auch nicht. Meine Frau arbeitet am Dienstag und so darf ich an diesem Tag für die Kids schauen. Mit Frühstück machen, die Kids in Schule und Spielgruppe schicken, Mittagessen kochen und Zvieri bereit stellen erschöpft sich meine Pflicht aber schon. Alles weitere entspringt ganz meinem Gusto – oder eben der Langeweile.
  4. Mein Christsein wird durchleuchtet. Der Sabbat soll ein Tag für den Herrn sein. Aber was heisst das nun praktisch? Soll ich den Tag lang beten, oder nur in der Bibel lesen? Hier zeigt sich, wie stressbeladen mein Christsein ist. Wenn mein Leben mit Jesus nur aus Pflichten besteht – lies die Bibel, bete, tue Gutes, sei Gehorsam – dann wird so ein Ruhetag ganz schön zum Stress. Denn ich muss ja! Wenn mein Leben mit Jesus aber so ist, wie er es gedacht hat – ein Leben teilen und geniessen mit dem, der mich liebt, mich annimmt und mir vergibt – dann wird der Sabbat zu dem, wie es gedacht ist: Erfrischung, Kraft und Inspiration für die Aufgaben an den anderen sechs Tagen.

Ein Kommentar zu „Was ich von meinem Ruhetag lerne

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  1. Der Sonntag als Ruhetag ist für mich lebensnotwendig. Ich hatte eine Phase, in der ich das nicht berücksichtigt hatte. Ich liebe den Sonntag als Ruhetag und genieße es auch Zeit für Gott auf unterschiedliche Art und Weise zu haben.

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