gestrandet in Freetown


Die letzten Tage waren ueberaus ereignisreich. So sitze ich im Moment in einem Internetcafe in Freetown, versuche meine Gedanken zu ordnen und auf der Englischen verklebten Tastatur das z und y nicht yu verwechseln.

Patrick und ich sind am Freitag gut hier gelandet. Die Fahrt vom Flughafen und die Faehre nach Freetown ging fast so lange, wie der fuenfstuendige Flug von Lagos nach Sierra Leone. Es war noch hell, als wir ankamen und so machte ich mich fuer eine kleine Laufrunde auf. Es gibt wohl nichts besseres, als die Gegend joggend zu erkunden. Am Samstag hatten wir das erste Treffen mit der Vineyard Grafton. Die Gemeinde enstand durch Glorious und ihren Freunden in einem der aermsten Vororten vor ca. 6 Monaten. Ca. 15 Erwachsene und doppelt so viele Kinder freuten sich, den Schweizer und seine Botschaft kennen zu lernen. Es war ein super Meeting. Am Abend dann trafen wir die Lehrer und Schueler des Vision West Africa Adult Education Center in Allen Town. Hinter diesem langen Namen steht ebenso viel Power und Lernfreude. Trotz dem kurzfristig anberaumten Treffen kamen viele Schueler, um uns zu erzaehlen, wie dieses Angebot, Lesen und Schreiben zu lernen, sie veraendert habe. Einige haben Arbeit gefunden, andere koennen nun ihren Kindern bei den Aufgaben helfen, wieder andere fuehlen sich zum ersten mal im Leben wertvoll. Und alle meinten, wir sollten das Programm unbedingt ausbauen. Sie moechten ein  Handwerk lernen, ein Geschaeft beginnen, den Schulabschluss nachholen, an die Uni studieren gehen. Und ein aelterer Herr bat mich eingehend, ihm eine Brille zu bezahlen. Er moechte so gerne weiter lernen, aber seine schlechten Augen liessen dies einfach nicht mehr zu. Natuerlich habe ich ihm unsere Unterstuetzung zugesagt. In diesem Jahr moechten wir in Allen Town ein Programm zum Erlernen von Handwerklichen Fertigkeiten (Skill Training) starten, gleichzeitig den Teilnehmern aber auch zeigen, wie man damit ein Geschaeft starten und eine Familie ernaehren kann. Und natuerlich moechten wir die Computerschule weiter ausbauen. Mal sehen, wie weit da unser Geld reicht…

Am Sonntagmorgen waren wir wieder bei der Vineyard Grafton zu Gast. Der Gottesdienst war gepraegt von viel Freude und einer begeisternden Atmosphaere. Anschliessend wollten sich 15 Menschen taufen lassen, um ihren neuen Glauben zu bekennen. Das ganze endete in einer grossen Party mit afrikanischem Essen und lauter Musik – und fuer mich in einer langen Jogging-Runde ueber rot-staubige Strassen und unter Palmen

Am Montag ging es dann auf nach Makeni. Die Fahrt dauerte 5 Stunden, raus aus dem Tropengebiet in die Savanne. Faszinierende Landschaft, fuehlte mich wie auf einer Safari. Am Abend trafen wir dort Schueler und Lehrer des Vision West Africa Adult Education Center Makeni. Dieses treffen beruehrte mich zu tiefst. Aeltere Frauen erzaehlten mir, wie sie nie zur Schule gehen konnten und nun endlich lesen und schreiben lernen duerfen. Eine Geschaeftsfrau berichtete, wie sie nun besser geschaeften kann, nun, da sie die Namen ihrer Glaeubiger aufschreiben kann und endlich auch rechnen gelernt hat. In Makeni bieten sie Englisch, Mathematik, Social Studies und Practical Science an vier Abenden in drei Klassen an, jeweils von 7 bis 9 am Abend. Und am gleichen Tag gibt es ein Angebot fuer Kinder, eine Stunde von 4 bis 5. Beim Treffen waren Kinder zwischen 8 und 16 Jahre, die nicht zur Schule gehen konnten, weil ihnen das Geld fehlt oder weil sie raus geschmissen wurden oder weil die Eltern sie zum Geld verdienen brauchen. Sie waren so froh, dass sie nun wenigstens etwas an Schulbildung nachholen koennen. Ich habe glaub noch nie so viele Hoffnungsvolle Augen auf einem Haufen gesehen. Natuerlich moechten auch sie, dass wir unser Programm ausbauen…

Heute ging es dann frueh los an den Flughafen – dieses mal hinten durch ueber die Staubstrasse, damit wie Faehre nicht brauchten – was sich als Fehler erwies. Ich habe sicher ein halbes Kilo Staub geatmet heute. Meine Freunde haben mich dann am Flughafen abgeladen, damit sie die naechste Faehre erwischen und ich wollte einchecken gehen. Genau, wollte. Denn mein Flug wurde erstens auf morgen verschoben und zweitens wird Air France bestreikt. Eigentlich muesste ich jetzt am Gate sitzen und mich auf einen ruhigen Rueckflug freuen. Doch manchmal will es nicht und dann sowieso noch anders. Ich hoffe, dass ich wenigstens morgen weg komme  – denn Freetown wird nicht so regelmaessig angeflogen und wenn man mal fest sitzt, dann klebt man. Also, hoffen wir auf das beste!

Ein Kommentar zu „gestrandet in Freetown

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  1. Wow, es muss ja erlebnisreich sein, wenn man nach Afrika reist, drücke die Daumen dass bald ein Vogel landet der Dich mitnimmt. Freitag 07.00? 😉
    Seehr cool zu lesen was diese einfache und praktische Hilfe bewirkt dort. Halleluja!
    Chum guet hei!

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