Tag 5 – Freetown, Lungi, Lagos


Bin bereits um 7 Uhr wach und fühle mich ziemlich gut. Weetabix und Banane zum Frühstück. Dann eine kurze Joggingrunde am Strand. 5 Km. Ich lebe! Bin ganz schön ausgepowert, als ich zurück bin. Heute geht es weiter nach Lagos. Wir warten auf Glorious und unseren Fahrer. Wir wollen noch kurz bei Gwen vorbei. Sie leitet eine Arbeit – Transformation Education – die Lehrer in ihrer Arbeit unterstützt. Sie war sehr hilfreich beim Start unserer Schule in Allen Town. Patrick und ich sprechen über mögliche Jüngerschaftsansätze für Allen Town. Ich erzähle ihm von den Johannes-Gruppen und den Life Transformation Groups. Wir denken beide, dass dies eine Mögliche Strategie sein könnte.
Als wir endlich losfahren können, reicht es weder um bei Gwen vorbei zu schauen, noch für einen Halt im Internet-Kaffee. Afrika: man weiss nie, wie lange es geht, wann es geht und ob es geht. Wir stecken lange im Verkehr fest. Patrick ist ziemlich nervös. Wir müssen die Fähre erwischen, um nach Lungi zu kommen, wo der Flughafen ist. By the grace of God we will make it.
Bis auf die Fähre haben wir es geschafft. Eine Stunde warten. Gute Gespräche mit Glorious über Kirche und Jüngerschaft. Sie ist echt ein Schatz. Sie plant, in ihrer Heimatstadt Makeni ein zweiter Ort für Adult Literacy zu starten. Später möchte sie auch eine Grundschule gründen. Mir gefällt ihre Idee. Ihr grösster Wunsch ist, dass ihre Verwandten Jesus kennen lernen.
Wir sitzen in der ersten Klasse auf der Fähre. Kein grosser Luxus. Es ist Afrika: sehr laute Musik und etliche Verkäufer von irgendwelchem Ramsch, die ein Geschäft machen möchten. Habe ich schon erwähnt, wie laut es ist. Ich ernähre mich von Coke und Krackers. Patrick singt bei einigen Songs mit. Crazy people. JJs Mummy ist eben zu uns gestossen. JJ möchte Glorious heiraten. Ein toller Junge. Er arbeitet als Bodyguard im Irak und in Kuwait. Den Amis scheinen die Leute auszugehen, also heuern sie in Afrika an. Crazy. Er verdient 600 Dollars pro Monat, Kost und Logie nicht eingeschlossen. Ein Vielfaches von dem, was er hier verdienen könnte. Und auf eine Weise ist es auch eine Flucht vor seiner Vergangenheit – eine abscheuliche, für die er sich sehr schämt. JJ ist trotz allem ein toller Junge und er hat ein gutes Herz. Ich werde ihm ein paar Bücher nach Kuwait schicken. Seit ich ihn sah, hatte ich den Namen Petrus im Herz und die Geschichte, wie Jesus ihm am See Genezareth begegnet ist. Der ganze Verrat und das Versagen von Petrus hat Jesus nicht ineressiert. Er wollte nur wissen, ob Jesus ihn liebt. Powerful!!
Ich flüchte an die frische Luft aus upper Deck. Die Fähre legt ab. Was für ein Schauspiel!
Von der Fähre mit dem Taxi zum Flughafen. Unser Fahrer gibt vollgas. Es ist wie im Militär: wir beeilen uns, um zu warten. Dieses mal am Flughafen. Eine Stunde. Das Einchecken ging flüssig. Ich wurde nur vier mal, mein Gepäck zwei mal und mein Pass sieben mal kontrolliert. Ich gönne mir im Restaurant einen fetten Hamburger mit Pommes. Boarding. Wir werden schon wieder kontrolliert. Das Flugzeug ist bereits voll – Passagiere aus Banjul. Ich finde eine leere Reihe ganz hinten, bin leider nicht lange alleine. Eine Dame mit überdimensionalem Handgepäck zwängt sich ans Fenster. Ich versuche sogar, ihr Handgepäck oben reinzuquetschen. Schlussendlich habe ich den Platz beim Gang, sie den in der Mitte und ihr Gepäck den am Fenster. Sie telefoniert noch etwa drei mal in voller Lautstärke und will zwei mal raus. Ich lasse sie mürrisch durch. Ich hole meine iPod raus und höre mir Circus von Lenny Kravitz an. Passt irgendwie. Langsam beruhige ich mich wieder und denke darüber nach, in wie weit meine Wut und mein Missmut gerechtfertigt sind. Ich komme zum Schluss, dass sie es nicht sind und ich zudem noch überheblich und verachtend bin. Nicht gerade toll für eine Christen, der Gottes Liebe praktisch weiter geben will.
Das Essen kommt. Ich wage einen kurzen Blick ins Beef mit irgendwelchem Kraut und dem Yam. Vom Dessert wage ich eine halben Löffel, begnüge mich dann aber mit den vier Gläsern Wasser und dem bitteren Tee. Mein Magen schien noch nicht ganz ready für den Hamburger mit Pommes zu sein. Die Stewardness macht mich überaus unfreundlich darauf aufmerksam, dass ich mein iPhone nicht benutzen soll. Sie hat leider noch nie was von Flugmodus gehört, also mache ich den Bildschirm aus, bis sie wieder abgezogen ist.
Touch down in Lagos. Letztes Mal dauerte die Einreise, die in Zürich 5 Min. braucht, 3 Stunden. Dieses Mal ging es in 30 Minuten. Der Koffer ist auch da und nun geht es mit Patricks altem Ford nach Hause. Dieser Ford war schon unsere Freude vor acht Jahren, als wir das erste mal in Nigeria waren. Damals hatten wir einen richtigen Kulturschock. Der Gestank, die hupenden Autos, die herumschreienden Menschen, der Staub und Dreck waren etwas zu viel. Heute fühle ich mich schon fast zu Hause. Nigerianer, wenn es so was überhaupt gibt, haben etwas Rohes, ungeschliffenes. Wenn Patrick und seine Frau Julie in Fahrt kommen, sprechen sie sehr laut und bestimmt miteinander. Nette Scbweizer würden es wohl streiten nennen. Mir gefällts. Lustigerweise nennt er sie liebevoll „baby“.
Zum ersten mal wieder Internet. Schnell die wichtigsten Mails beantworten und dann ins Bett. Matraze prädikat superhart!

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