etwas mehr Mensch, bitte!


In den Ferien hat man richtig viel Zeit zu lesen – traumhaft. Im Moment beschäftige ich mich gerade mit dem neuesten Wurf von Hirsch und Frost: der wilde Messias. Sie gehen der Frage nach, inwiefern Jesus unser Leben als Christ und unseren Entwurf der Kirche prägen. Natürlich würde jeder jetzt sagen: er ist der Massstab, an ihm orientieren wir uns. Leider liegt da Wahrnehmung und Praxis ziemlich weit auseinander. Dabei habe hat mich vor allem eine Frage in Beschlag genommen: Wieso hat das Leben von Jesus so wenig Wirkung auf meinen Alltag? Vom Grundsatz ist ja klar, dass er mein Vorbild ist und ich so leben möchte wie er. Ich würde mal behaupten, dass dies meistens ein frommer Wunsch bleibt. Denn schliesslich ist ja Jesus nicht nur Mensch, sondern auch Gott. Er ist der Sohn Gottes, ausgestattet mit übermenschlichen Fähigkeiten – befähigt, ein göttliches, perfektes Leben zu führen. Er hatte es im Griff, der Sohn Gottes. Und so ist sein Leben ausser Reichweite. Denn ich bin nicht perfekt, habe seine Fähigkeiten nicht, kann also gar nicht so leben wie er. Doch wenn ich so denke, dann bewerte ich die göttliche Seite von Jesus zu stark und enthebe ihn daher in eine für mich unerreichte Sphäre, in der sein Leben jeden Anspruch auf meinen Alltag verliert. Wenn Jesus nur Gott ist, dann ist er für mich zwar noch ein schönes Idol und es ist ein netter Wunsch, so zu leben wie er – doch er bleibt unnerreichbar. Es wird also Zeit, Jesus wieder in den Bereich des menschlichen zu ziehen. Lassen wir doch mal seine ganze Göttlichkeit weg und lassen zu, dass er ganz Mensch wurde. Als Mensch hatte er mit ähnlichen Dingen zu kämpfen, ähnliche Herausforderungen zu meistern, ähnliche Hürden zu nehmen, wie ich auch. Als Mensch gibt er mir ein Vorbild, dass ich nachleben kann und nachleben soll. Als Mensch fällt die unbewusst gehaltene Entschuldigung, dass ich ja eh nicht so perfekt bin wie er. Im Gegenteil, sein Leben wird zum Massstab. Sein Leben als Mensch ist erreichbar, für jeden von uns. Nicht aus eingener Kraft oder purem Willen, sondern in der Begegnung mit ihm und aus der Beziehung zu ihm. Ich habe angefangen, die Evangelium mit neuen Augen zu lesen, um darin den Mensch Jesus zu entdecken. Und dabei lasse ich mich von seinem Leben herausfordern, denn schliesslich will ich ja werden wie er!

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