Die Geschichte von mir, uns, Jesus


Schaut auf Jesus. Die Dynamik des Evangeliums und die Person, die uns in diesen Seiten begegnet, ist einfach zentral und unersetzbar. Er ist immer eine Überraschung. Wir werden Jesus nie ganz begreifen. Er überfällt uns immer wieder aus einem anderen Winkel. Wenn du wissen willst, wer Gott ist, dann schau auf Jesus. Wenn du wissen willst, was es bedeutet, menschlich zu sein, dann schau auf Jesus. Wenn du wissen willst, was Liebe ist, dann schau auf Jesus. Und schau so lange hin, bis du kein Zuschauer mehr bist, sondern zu einem Teil des Dramas wirst, in dem er die Hauptfigur ist.

N.T. Wright in Gott macht alles neu von Marlin Watling

Lernreise Nigeria


Laut, gedrängt und heiss. Drei Worte passend zu einem faszinierenden Land: Nigeria. Heimat für 190 Millionen Menschen, um die 250 Ethnien und mehr als 500 Sprachvariationen. Nigeria, das durch Bodenschätze eines der wohlhabendsten Länder sein könnte, aber oft nur eine kleine korrupte Elite reich, und den grossen Rest arm lässt.

Nigeria, meine zweite Heimat seit fast 20 Jahren. Überraschend lernten wir auf unserer ersten Reise Patrick Obumselu kennen – einen Pastor aus Lagos. Eine Begegnung, die zur Freundschaft wuchs und zu einer inspirierenden Zusammenarbeit, aus der mehrere Kirchen und Projekte entstanden sind. His Presence Vineyard Church Lagos heisst Patricks aktuelle Wirkungsstätte – eine für nigerianische Verhältnisse eher kleine, aber trotzdem feine Kirche.

Die Kirchen in Nigeria haben einen enormen Drive. Einige der grössten Kirchengebäude stehen hier. Nicht selten versammeln sich zu Camps und Gebetsnächte zehn oder hundert tausende Menschen. Schon fast legendär sind die Crusades von Reinhard Bonnke mit geschätzt über einer Million Besuchern. Tragisch aber – das von dieser Energie wenig auf die Gesellschaft abfärbt. Katastrophal, dass die gelebte Religiosität lebensfeindlich und einschränkend wirkt. Denn in den Kirchen Nigerias dreht sich alles nur um zwei Dinge: Money und Power. Und dieser Fokus treibt dabei seltsame Blüten. So wird in einigen Kirchen gelehrt, dass man denn Armen kein Geld gibt, denn dort wo man sät, wird man ernten. Um reich zu werden, sät man auf den guten Boden: Den wohlhabenden Pastoren Geld geben und darauf vertrauen, dass man selber reich wird. Wer den Armen Geld gibt, der wird selber arm.

Mittlerweile sehen wir viele Menschen, die aus dem religiösen System aussteigen. Einige wenden sich dabei vom Glauben ab, andere suchen nach authentischen Alternativen. Die Kirche in Lagos ist eine davon. Jüngerschaft und Reich Gottes, das Bild von Gott in Jesus und Umweltschutz, Unternehmertum und der Wert des Menschen, ein Leben frei von Angst und in der Hoffnung auf Himmel auf Erden – das sind die Themen, um die es sich dann dreht.

Ich als ihr Gast lerne am meisten. Zum einen hält mir Nigeria den Spiegel vor und ich blicke in die Abgründe meiner eigenen Herzensenge und Religiosität. Jeder Besuch stellt mich schonungslos in Frage: Wie gehe ich mit Geld und Besitz um, fördert mein Glaube die Freiheit, führt mein Handeln zu mehr Himmel auf Erden? Jeder Besuch ist eine bereichernde Lernerfahrung – zum Beispiel wie man mit ORA gemeinsam Bibel lesen kann. ORA steht für Observation, Reflection, Application. In der Kirche in Lagos ist ORA ein regelmässiger Programmpunkt im Gottesdienst. Der Moderator lässt dabei einen Bibeltext zwei mal vorlesen. Anschliessend teilt jeder seine Beobachtungen zum gelesenen Text – Interpretationen oder vorgefasste Meinungen sind nicht erlaubt. Innerhalb von wenigen Minuten ergibt sich durch die unterschiedlichsten Wortmeldungen ein reichhaltiges Bild. Die Teilnehmenden sind kaum zu stoppen. Jedes Detail wird beleuchtet, Beobachtungen geteilt, Interpretationen zurückgewiesen. Diese folgen dann im zweiten Teil. Welche Fragen stellt der Text an uns? Wie verstehen wir ihn heute? Welche Person in der Geschichte wäre ich? Wer möchte ich sein? Inspirierende Gedanken aus unterschiedlichster Perspektive erwecken manch altbekannten Bibeltext zu neuem Leben. Der Abschluss ist dann die Anwendung. Jede_r klärt den nächsten Schritt und teilt ihn mit ein paar Personen. Dieses Teilen führt zu Gebet und Ermutigung. Die Regelmässigkeit von ORA im Gottesdienst hat nicht nur das persönliche Glaubensleben gefördert, sondern eine neue Kultur in der gesamten Kirche geformt. Jeder trägt bei, Fragen sind erlaubt, die Bibel legen wir miteinander aus, Jesus steht im Mittelpunkt.

Ansteckend sind zwei weitere Dinge: der leidenschaftliche Worship und die unerschütterliche Hoffnung. Wenn das Leben kaum was bietet, dann ist das Vertrauen auf Gott entscheidend. Dies drückt sich in überschwänglichem Worship aus, ansteckend zwar, lautstärkemässig aber oft über der Schmerzgrenze. Ich erlaube mir dann jeweils, mit Ohrstöpseln auszuhelfen. Und das Vertrauen auf Gott zeigt sich in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dem Glauben ist alles möglich wird für viele junge Menschen zum Lebensmotto. Sie träumen von einer eigenen Firma, von einem passenden Job, von einem besseren Nigeria, von Himmel auf Erden. Sie studieren Betriebswirtschaft, Informatik oder Kommunikation. Sie wissen, dass viele Studienabgänger keinen Job finden – doch davon lassen sie sich nicht entmutigen. Denn zusammen mit Jesus werden sie es schaffen. Und diese Hoffnung teile ich gerne mit ihnen. Es wird steinig und herausfordernd. Aber im Umfeld von Jüngerschaft und Glauben bringen sie ein Stück Himmel auf die Erde, in ihrem Gottvertrauen, in ihrem Worship, in ihrem gemeinsamen Bibellesen, in ihrem Einsatz für die Armen und im Gründen von neuen Firmen, Projekten und Kirchen.

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Mission oder Entwicklungshilfe?


Sierra Leone stellt mir immer wieder Fragen. Keine neuen, dafür aber sehr existenzielle Fragen. Gestern waren wir zu Besuch in Makulamba – einem Buschdorf im Hinterland, eine Fahrstunde von Makeni entfernt. Makulamba hat ein paar spärliche Häuser, ein kleines Fussballfeld, eine Dorfschule ohne Wände und sehr viele Kinder. Und seit neustem hat Makulamba auch eine Kirche. Sie steht gleich am Eingang des Dorfes, neben der Dorfschule ohne Wände. Und wenn man die Menschen sieht, ihre Häuser, ihre spärlichen Kleider – dann denkt man: eine Kirche ist nicht das erste, was diese Menschen brauchen. Da haben wohl ein paar Missionare aus dem Westen mit viel Geld ihren eigenen Träumen nachgegeben.

Doch diese Kirche in Makulamba ist ohne Zutun von aussen entstanden. Bei einem letzten Treffen hat einer der Dorfältesten erzählt, dass sein Vater jeden Tag gebetet hat, dass hier in seinem Dorf eine Kirche entsteht. Und er habe dieses Gebet übernommen. Jeden Morgen geht er mit einer Glocke durch das Dorf und versammelt die Menschen zum Frühgebet. Und irgendwie hat Gott ihre Gebete erhört. Einige unserer Mitarbeiter haben ihren Lohn und ihr eigenes Geld zusammen getragen, um die Baumaterialien zu finanzieren. Und die Dorfbewohner haben angepackt. Und eine Kirche ist entstanden.

Gestern durften wir miterleben, was diese Kirche für diese Menschen bedeutet. Es ist für sie ein Ort, wo sie Jesus Danke sagen können für das Leben, dass er ihnen geschenkt hat. Es ist der Ort, wo sie ihre Anliegen vor ihn bringen können. Es ist der Ort, wo sie Hochzeiten feiern und von ihren Liebsten Abschied nehmen können. Es ist der Ort, der sie daran erinnert, dass Gott sie nicht vergessen hat und er auch für sie in Jesus Mensch wurde und durch seinen Geist unter ihnen lebt und wirkt.

Die Freude der Dorfbewohner ist mit Händen fassbar. Eine ältere Frau kriegte sich fast nicht mehr ein. Sie viel vor Glorious auf die Knie, hat sie für ihren Beitrag gepriesen, ihr die Ehre erwiesen.

Im gleichen Dorf steht am Eingang ein Bohrloch. Die Fläche ist gut zugemauert, damit kein Kind sich verletzen kann. Das Wasser wird mit einer modernen Handpumpe hochgetrieben. Doch der Brunnen wird nur für das Trocknen von Chilis verwendet. Er funktioniert nämlich nicht mehr. Die Erklärung ist relativ einfach: das Bohrloch und die Pumpe sind zu kompliziert für die Dorfbewohner, der Unterhalt ist zu aufwändig. Und so ist er nicht mehr in Betrieb. Das tolle Projekt der Entwicklungshilfe steht nun da als Zeuge für die guten Pläne und Absichten – die jedoch die Bedürfnisse und Wünsche der Dorfbewohner nicht berücksichtigt haben. Eine Quelle, breit gegraben und mit einem Ziehbrunnen versehen, wäre für das Dorf ein Segen gewesen. Und für diese Art von Entwicklungshilfe setzen wir uns ein. Im Gespräch mit den Menschen hören wir von ihren Nöten und entwickeln gemeinsam mit ihnen Ideen, wie wir gemeinsam eine nachhaltige Entwickung fördern können. Manchmal ist es eine Schule, manchmal Kurse für Erwachsene, und manchmal eine Kirche. Und oft heisst es einfach, dass wir aus dem Weg gehen und zulassen, dass etwas Neues entstehen kann. Und so ist es beides – Mission und Entwicklungshilfe.

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