Wie viele Kinder haben die schon wieder?


Morgen gehts ab auf den Bienenberg. Ein Pastor-Kollege hat mir letztes Jahr ein Seminar über Familiensysteme, Konfliktkultur und Gemeinde empfohlen. Das ganze baut auf dem Familiensystemischen Ansatz von Bowen auf. Ich kann mir ehrlich gesagt noch nicht ganz so viel drunter vorstellen. Aber die Beschreibung tönt doch irgendwie cool. Und wenn es um Konflikt und deren Lösung geht, dann bin ich eh dabei. Ich habe in den letzten Jahren so viel über Organisationsentwicklung und Kulturveränderung gelesen, dass ein rein pastorales Thema gut tut. Doch was heisst schon „rein“? Am Ende hat eh alles mit einander zu tun. Zurück aber zu den Konflikten: Mein Bauchgefühl würde in den letzten Wochen und Monaten einige Male bestätigt. Dieses Gefühl geht von der Ansicht aus, dass wir Christen in unseren Kirchen nicht wahnsinnig gut darin sind, unsere Gefühle und Bedürfnisse offen zu formulieren. Oft wissen wir selber gar nicht so ganz, was wir eigentlich fühlen oder brauchen. Daraus entwickeln sich dann schnell Ängste, Spannungen und Konflikte, die wir dann nicht wagen anzusprechen oder besprechen – weil wir ja schliesslich immer nett, brav, lieb und gut sein müssen. Gut, dass wir wenigstens den Anspruch, auch noch schön, schlank und immer jung sein zu müssen, aufgegeben haben – teilweise wenigstens. Unser Idealbild vom perfekten Christen steht also oft einer offenen Gesprächs- und Konfliktkultur entgegen. Dabei entwickelt sich eine Kultur, wo es besser ist, richtig zu erscheinen, als ehrlich zu sein. Ich weiss aus eigener Erfahrung sehr gut, wie gross der Kampf ist, dieser Lüge nicht zu verfallen. Das einzige Gegenmittel ist die brutale Ehrlichkeit: zu mir selber, zu Gott und zu meinem Umfeld.

Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam, eine Kultur zu prägen, in der Ehrlichkeit mehr zählt als Rechtschaffenheit. Eine Kultur, in der man auch dann noch angenommen wird, wenn alles in die Hose geht. Eine Kultur, in der auch dann noch Gemeinschaft gelebt wird, wenn man nicht einer Meinung ist. Eine Kultur, wo ein Schwuler oder ein Drögi genauso viel Liebe erfährt wie der perfekte, dreifache Familienvater. Eine Kultur, wo Konflikte miteinander ausgestanden werden und gemeinsam Lösungen gefunden werden. Eine Kultur, wo man miteinander streiten kann. Jeder Beitrag für eine solche Kultur ist herzlich willkommen.

Ich gehe jetzt morgen mal auf den Bienenberg und werde bestimmt mit ein paar tollen Ideen und Ansätzen heim kommen. Als Vorbereitung muss ich mich nun aber noch mit ein paar Papers und meinem Genogramm beschäftigen. Ich wusste vorher auch nicht recht, was das ist, geschweige denn, wer wann wie viele Kinder hatte. Jetzt steht er aber: unser Stammbaum mit vier Generationen.

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