20
Jan
10

Family

Im Film „The Straight Story“ fährt der 73-jährige Rentner Alvin Straight mit seinem Aufsitz-Rasenmäher samt selbstgebastelten Schlafanhänger mehrere hundert Kilometer, um seinen kranken Bruder zu besuchen, mit dem er nach einem Streit seit mehreren Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Auf dieser Reise begegnet er unterschiedlichsten Menschen, so auch einer jungen Frau, die nach einer ungewollten Schwangerschaft von zu Hause ausgerissen ist. Beim Lagerfeuer am Abend diskutieren sie über den Wert der Familie. Alvin erzählt dabei aus seiner Kindheit, wie sein Vater ihm einen Zweit in die Hand gegeben hat und er ihn zerbrechen musste – eine einfache Sache. Dann hiess er ihn, mehrere Zweite zu einem Bündel zusammen zu legen und dann diese zu zerbrechen versuchen – eine fast unmögliche Sache. Daraus hat Alvin gelernt, wie wichtig es ist, als Familie für einander da zu sein und einander zu helfen, denn ein einzelner bricht schnell, im Bündel zusammen aber bleibt man stark. Am nächsten morgen erwacht Alvin alleine. Die junge Frau ist wieder weg, hat aber neben dem Feuer ein Bündel von zusammengebundenen Zweigen liegen lassen.

Mir gefällt dieses Bild, v.a. wenn wir es auf uns als Vineyard Aarau beziehen. Wir sind viel eher eine Familie als eine Kirche. Unsere Werte, unsere Sicht und unser Miteinander verbinden uns – nicht die Organisation oder die Veranstaltungen. In dieser Familie sind wir füreinander da, helfen einander, stärken einander, ermutigen einander. Die Familie – für uns als Vineyard Aarau die geistliche Familie – ist der ideale Ort, wo jeder Gottes Liebe, Annahme und Vergebung erleben kann. Hier ist es möglich, unabhängig von eigener Geschichte, Hintergrund oder Glaubensstand zu erleben, wie unser himmlischer Vater uns einfach annimmt, seine Liebe zeigt und uns vergibt. Darüber hinaus ist die Familie aber auch der Ort, wo Menschen ihre Identität finden und ihre Gaben entdecken können und dann auch in ihrer Bestimmung unterstützt und freigesetzt werden.

Familie ist in erster Linie ein Lebensstil, der sich im füreinander da sein, im Interesse am anderen, in der gegenseitigen Unterstützung und dem Wohlwollen zueinander zeigt. Viel von dem spüren wir in den celebrations, den Leiter- und Mitarbeitertreffen, den Brunchgottesdiensten, den Workshops, den Family Connects und vielen weiteren Gelegenheiten. Als Familie wollen wir aber nicht nur für uns selber da sein, sondern unser Herz, unsere Veranstaltungen und unsere Häuser für Menschen öffnen, die Teil dieser Familie werden möchten. Jeder ist eingeladen, Teil dieser Familie zu werden!

19
Jan
10

Morgenstund zum zweiten

Letzte Woche durfte ich an einer Retraite mit Jugendverantwortlichen dabei sein. Ca. 35 Personen trafen sich am Donnerstag Nachmittag auf der Maielisalp, um den Abend und den ganzen Freitag miteinander zu verbringen. Die Frage dabei war, was wir Rund um den Christustag am 12. Juni für und mit den Jugendlichen machen könnten. Wir hatten eine wirklich gute Zeit miteinaner – über Sprach- und Kultur- und Denominationsgrenzen hinweg. Einzig unsere katholischen Geschwister haben gefehlt, sonst wäre der Blumenstrauss fast vollständig gewesen. Neben der ganzen Vorbereitung und dem Austausch habe ich zwei Dinge gelernt: die acht Jahre im Französischunterricht waren doch nicht ganz vergebens und es gibt noch Menschen, die ihre Verantwortung ernst nehmen. Damit meine ich jetzt nicht unsere Verantwortung in unserer Gesellschaft, sondern gegenüber der eigenen Familie. Nach dem Abendprogramm sass ich mit einem coolen Typen aus dem welschen Jura an einem Bierchen und klage darüber, wie früh ich doch heute aufstehen musste, um am Frühgebet dabei zu sein. Er meinte, er treffen sich auch jeden Donnerstagmorgen mit 10 bis 15 Männern zum beten – alles Familienväter. Und sie kämen alle Woche zusammen, um gemeinsam für ihre Familien zu beten, für die Kinder und Ehefrauen. Weil sie aber schliesslich dabei nicht die Zeit mit der Familie beschneiden wollen, treffen sie sich jeweils um 5:15 für eine Stunde gebet, um rechtzeitig zum Frühstück mit den Kids und der Frau wieder zu Hause zu sein.

Mann, das fordert mich heraus – den Langschläfer, der um 9 ins Büro Geher, den meistens den Kampf gegen die Bettdecke Verlierer, der eigentlich nie mit den Kindern Frühstück Esser. 5:15 Uhr? Nein, das wäre doch zu krass. Aber wieso nicht 6:30? Wieso nicht einfach jeden Tag eine halbe Stunde früher als sonst aufstehen, um diese Zeit im Gebet für meine Frau, meine Kinder und meine Gemeinde zu verbringen? Der Wecker ist auf jeden Fall mal so gestellt.

18
Jan
10

Morgenstund…

wer kennt ihn schon nicht – den saublöden Spruch über das Gold, das dem Frühaufsteher verheissen ist und alle Langschläfer anschwärzt. Naja, heute hätte ich so einiges Gold verdient, denn ab 04:30 ging nichts mehr, ausser die Rolle im Bett von der einen auf die andere Seite. Nach 45 langen Minuten und etwas doppelt so vielen Drehungen, habe ich mich aus dem Bett gequält und mich ins Büro gehockt. So hatte ich viel Zeit bis zum nächsten Termin (Kids holen, Mittagessen kochen, etc.). Zuerst nahm ich mir den Kolosserbrief zur Brust (ich liebe einfach diese Stellen in Kapitel 3 mit auf Jesus schauen und neues Leben und Himmel und so), habe eine ausgiebige Gebetszeit für die Family und die Vineyard eingelegt und mich dann an den Pendenzenberg gemacht. Viel Gold habe ich dabei zwar in meinem Mund nicht gefunden – wenn man mal vom schwarzen absieht, das man Kaffee nennt – dafür weiss ich jetzt, wie ruhig und bereichernd so ein Morgen sein kann.

24
Dez
09

ein Stück Himmel – Teil 2

letzthin fand in der Vineyard Aarau die Geschenktausch-Börse statt. Kinder zwischen 3 und 12 konnten während 14 Tagen zwei Spielsachen bringen und erhielten dafür einen Bon um an der Tausch-Börse ein neues Spielzeug auszusuchen. Über die Caritas konnten wir einige Bons an Familien geben, die ohne diese Möglichkeit dieses Jahr ihren Kindern kaum ein Geschenk hätten machen können.

Die Initiantin dieses fantastischen Projektes schrieb danach folgende Zeilen:

Ich bin gestern Abend glücklich, berührt und dankbar nach Hause gereist… Der Geschenke-Tausch-Nachmittag war für mich ein sehr schönes Erlebnis. Gefüllt mit guten Gesprächen, berührenden Momenten und glücklichen Kindern!

Da sind Familien von Oftringen und Kölliken angereist um bei dieser Aktion teilzunehmen. Sie haben von der Aktion in der Zeitung gelesen und mir gesagt, dass wir also nächstes Jahr diese Aktion unbedingt wiederholen sollen.

Dann war da die Familie aus Koblenz, der Familienvater (Hilfsarbeiter) seit 8 Monaten arbeitslos, hat den Bon durch Caritas erhalten und konnte so seinen Kinder ein Weihnachtsgeschenk ermöglichen.

Eine Frau, die das Schild auf der Strasse gesehen hatte und sich erkundigen wollte was das für eine Aktion ist. Sie hat mit mir einen Kaffee getrunken und mir gesagt, dass die Atmosphäre hier unten einfach super sei. Sie wollte dann noch mehr über die Kirche wissen und was wir so alles machen. Ich konnte ihr den Müki Flyer mitgeben, für ihre Tochter und habe sie zum Gottesdienst eingeladen.

Eine andere Frau, hat mir gesagt wie froh sie sei dass es diese Aktion gibt, jetzt weiss sie endlich wohin sie all die Spielsachen bringen kann die sie im Estrich hat. Nächstes Jahr werde sie frühzeitig mit räumen und Aussortieren beginnen….

Ja, dass sind so ein paar Frequenzen aus dem gestrigen Kommen und Gehen. Insgesamt haben wir 50 Bons entgegen genommen und wir haben immer noch etliche Spielsachen übrig, die ich der Caritas Aarau übergeben werde.

Ein Stück Himmel, das sichtbar wird – ganz praktisch!

22
Dez
09

Was für ein Jahr!

Die letzten Tage des Jahres eignen sich besonders gut, in Nostalgie zu verfallen und aufs ausklingende Jahr zurück zu blicken. Mein Rückblick stimmt mich sehr fröhlich, ja fast überschwänglich – ganz im Sinne von “aufeinemBergstehendundlautYESGODschreiend”. 2009 war einfach ein eindrückliches Jahr mit vielen Hochs und Tiefs: Roger Federer hat sich zur Nummer 1 zurück gekämpft und die USA haben den ersten schwarzen Präsidenten gewählt – die Finazkrise schlägt voll auf die Realwirtschaft durch und das unseelige Bankgeheimnis wird vom Ausland brachial zerlegt – der Klimagipfel in Kopenhagen endet mit einem enttäuschenden Minimalkonsens und Gaddafis Ego lässt weiter keine versöhnlichen Schritte zu.

Das Prädikat “Extraklasse” hat das Jahr 2009 vor allem aus Sicht der Vineyard Aarau verdient. Dabei denke ich an all die Highlights dieses Jahres wie die Herbstferien in Italien, die Leiter- und Mitarbeitertreffen samt Weekend, die Taufe mit Grillfest, die Vision4Aarau-Woche, das Grillieren im Park, den gemeinsamen Putztag, die Weihnachtsfeier mit unseren Freunden vom Bus, das Weekend von on the road, die Brunchgottesdienste, die Ausflüge mit Family Connect, all die fantastischen Gottesdienste, die Spielzeugtauschbörse. Dabei fallen mir vor allem zwei Dinge auf. Zum einen wurde durch uns das Reich Gottes in vielfältiger Weise sichtbar: Menschen durften Gott kennen lernen und ihm näher kommen, Menschen erfuhren seelische und körperliche Heilung, Gottes natürlich-übernatürliches Wirken nahm zu, arme und bedürftige Menschen erhielten praktische Hilfe und ein Stück soziale Gerechtigkeit wurde möglich. Zum anderen wurde wieder vermehrt erleb- und spürbar, wer wir als Vineyard Aarau sind: eine geistliche Familie, die miteinander unterwegs ist, um Gotts Reich sichtbar zu machen. Mich begeistert vor allem dieser Aspekt des Miteinanders, der in den Leiter- und Mitarbeitertreffen, den Insides und den Gottesdiensten sichtbar wurde. So haben wir miteinander eine gute Lösung für die Fragen und Herausforderungen rund um den Gottesdienst gefunden. So sind wir miteinander einen Weg gegangen, um unsere Identität, Werte und Auftrag zu klären und zu vertiefen. So haben wir uns neu aufeinander eingelassen, um miteinander Gottesdienste zu feiern, die von Worship, Gebet, Bibel und Austausch geprägt sind. Ein solches Jahr wäre durch den grossen Einsatz und das Mittragen und sich Hineingeben von jedem einzelnen nicht möglich gewesen. Ich fühle mich einfach geehrt, mit so vielen tollen Menschen gemeinsam unterwegs zu sein. Dies trifft vor allem auch auf uns als Leitungsteam zu. Unsere Treffen – manchmal mit harter Arbeit, manchmal mit viel Freude und Lachen gefüllt – sind eine richtige Bereicherung. Für mich ist es eine neue Erfahrung, ein Team leiten zu dürfen, das von solcher Offenheit, Klarheit und Qualität geprägt ist. Andrea, Damaris, Matthias, Joel und Roger, danke für euren Einsatz und eure Arbeit – noch mehr jedoch danke für eure Freundschaft!

Viele der Prozesse, die im 2009 begonnen haben, werden uns auch durchs 2010 begleiten. Die Leiter und Mitarbeitertreffen werden bis zu den Sommerferien weiter gehen und unsere Arbeiten zu einem guten Abschluss bringen. Unter dem Stichwort “missional-organischer” Lebensstil (tja, eine grässliche Wortschöpfung bringt halt doch viel Sinn auf den Punkt) werden wir den Bereich rund um die Workshops – sprich Kleingruppen – weiterentwickeln und den Glauben zu Hause und in der Familie mit Brunchgottesdiensten und Family Connect weiter stärken. Mit einer Auswahl von verschiedenen Einsatzmöglichkeiten werden wir unseren evangelistischen Lebensstil und die Ausrichtung nach Aussen weiter fördern und vertiefen. Neben dem Blick auf die Entwicklung von Leiterschaft und der Festigung der Gottesdienste wünschen wir uns vor allem auch ein Wachstum in persönlicher und gemeinsamer Spiritualität. Wir wünschen uns, dass im 2010 Gott stärker unter uns wirkt; dass es ganz normal und natürlich ist, Gott zu begegnen; Heilungen passieren; seine Liebe, Annahme und Vergebung unsere Treffen durchdringen; und ein neuer Wunsch nach tieferer Gottesbeziehung um sich greift.

Ich bin Gott enorm dankbar, in dieser spannenden Zeit leben zu dürfen. Es ist für mich ein Vorrecht, mein Leben, im letzten wie in den kommenden Jahren, für ihn  und für sein Reich, das in und um uns immer mehr sichtbar wird, einsetzen zu dürfen. Ich bin enorm froh, gemeinsam mit tollen Menschen unterwegs zu sein, um als geistliche Familie seinen Traum zu leben. 2010 – wir kommen!

21
Dez
09

Besuch aus Afrika

Im Januar kommt Patrick – unser Freund und Mitarbeiter in Afrika (www.visionwestafrika.ch) – in die Schweiz. Wir fliegen dann zusammen an die Leiterkonferenz der Vineyard nach Berlin. Ich freue mich sehr, einen sehr geschätzten Menschen wieder zu treffen. Unsere gemeinsame Zeit war bis jetzt immer eine grosse Bereicherung und Inspiration. Ob das nun die gemeinsamen Reisen in Afrika, das Zimmer teilen (auch mit Ratten und sonstigen Käfern), die Gespräche, das gemeinsame Träumen war, es war einfach immer Klasse. Ich hoffe, dass sich während seiner Zeit hier in der Schweiz viele weitere Begegnungen und Gespräche ergeben, nicht nur mit mir – sondern gerade auch mit anderen. Falls du gerne Patrick persönlich treffen möchtest, gemeinsam essen oder einen Kaffee trinken, in die Kleingruppe einladen, etc. dann schreib mir einfach ein Mail. Hier findest du den Kalender von Patrick für den Januar, damit du weisst, wann er wo anzutreffen ist und wo noch frei ist für deine Einladung!

Eines macht mir jedoch noch ziemlich Kopfzerbrechen: Wie soll ein Mann, der meint, bei Temparaturen um 15 Grad geht die Welt unter, mit -5 oder -10 zurecht kommen. Ich habe ihn gewarnt, ihn ehrlich darauf vorbereitet. Er hat auch schon in seinem Kühlschrank trainiert, aber so ganz reingepasst hat er halt doch nicht. Daher bin ich froh um jede Art von brauchbaren Kleiderschichten für eine möglichst gute Wärmedämmung. Jede Art von Skianzüge, Winterjacken, Thermounterwäsche, lange Unterhosen, Wollesocken etc. für einen Mann um die 1.85, geschätze 100 Kilo, Schuhgrösse 43, sind wärmstens willkommen.

20
Dez
09

ein Stück Himmel Teil 1

Eben komme ich überglücklich von unserer Weihnachtsfeier zurück. Ich habe schon einige Feiern erlebt, doch diese war mit Abstand die beste. Angefangen hat es eigentlich im Sommer mit einem Grill in einem Park. Wir haben als Vineyard ein paar mal einen Grill aufgestellt und gratis Würste und Salat verteilt. Dabei kamen wir mit einigen Menschen in Kontakt, die den Sommer durch viel im Park, den Winter durch viel im Bus sind. Es sind Menschen mit besonderer Geschichte, besonderer Vergangenheit, besonderer Lebenssituation. Seit dieser Zeit im Sommer sind viele Begegnungen, Kontakte, Gespräche, Freundschaften entstanden. Der eine oder andere kam ab und zu in den Gottesdienst oder man traf sich sonstwo. “Wieso feiern wir eigentlich nicht Weihnachten zusammen?” hat einer gefragt. “Wieso nicht?” dachte ich und viele mit mir und so wurde ein fantastischer Abend Wirklichkeit. Nach einem Planungstreffen vor einer Woche trafen wir uns diesen Samstag um 16 Uhr und haben gemeinsam gekocht, gemeinsam Tische aufgestellt, gemeinsam dekoriert, gemeinsam den Baum geschmückt, gemeinsam die Lieder geübt. Keine Spur von “wir machen was für sie” – ganz einfach wir miteinander! Da war der junge Mann aus Algerien, der wohl bald als “Dublin-Fall” nach Italien abgeschoben wird – da war der ältere Herr, der einige Zeit im Wald gelebt hat – da war der Familienvater mit den drei Kids, der sich an der Gitarre versucht – da war die Frau, die im Methadonprogramm ist – und da ist dieser Jesus, der vor zweitausend Jahren in einer dreckigen Krippe geboren wurde und sich auch heute nicht zu schade ist, in den Dreck unseres Lebens zu kommen.

Und – die Pastetlis und das Desserbuffet waren himmlisch….

15
Dez
09

von Wundern und Engeln

Diese Woche sind wir als Minigruppe gestartet. Die Idee der Minigruppe ist ziemlich einfach – oder besser dreifach:

Wir treffen uns einmal pro Woche für eine Stunde um

  • darüber zu sprechen, was uns in der Bibellektüre besonders angesprochen hat
  • einander verantwortlich zu halten, was wir in unserem Umfeld glaubensmässig erleben und wo wir daneben geschossen haben
  • für Menschen zu beten, die uns besonders am Herzen liegen

Wir lesen jeweils das gleiche in der Bibel – und zwar mindestens 20 Kapitel pro Woche – damit wir einfach darüber austauschen können. Im Moment beschäftigt uns die Apostelgeschichte, denn da berichtet es von Engeln und Wundern und Übernatürlichem. Einer wird von einem Engel aus dem Gefängnis befreit, ein anderer wird beam-me-up-Scottie-mässig von einem Ort zum anderen beordert, der andere hat einen Traum von seinem nächsten Auftragsort und wieder andere erleben, wie ein Lahmer zu tanzen beginnt. Unsere Lebensrealität ist von diesen Lebensberichten leider weit entfernt. Wir staunen zusammen über die Geschichten und fragen uns, wie das wohl in die heutige Zeit passt.

Das einfachste ist wohl, das Gelesene rational wegzuerklären. Diese unaufgeklärten Naivlinge haben halt noch nichts von Kant und von moderner Physik gehört und rechnen so alles, was sie nicht verstehen, Gott zu. Nein, allzu einfach sollten wir es uns nicht machen, denn die Akteure der Apostelgeschichte waren bereit, Ihren Glauben und ihr Erleben mit ihrem Tod zu verbürgen. Ein ziemlich schlagendes Argument, dass sie das wirklich so erlebt haben.

Eine andere Möglichkeit ist, die heutige Zeit anders zu gewichten. Die Wunder waren halt wichtig für die initiale Ausbreitung des christlichen Glaubens und ist heute so nicht mehr nötig. Schliesslich haben wir heute die Bibel und die christliche Kultur und da braucht es dieses Wunder-Zeugs nicht mehr. Ein Erklärungsversuch, doch dann hätte sich Gott seit dieser Zeit auch ändern müssen. Er ist und bleibt ein Gott des natürlich Übernatürlichen und ist, wenn wir der Botschaft der Bibel glauben wollen, auch heute immer noch willens und fähig, die Naturgesetze auf den Kopf zu stellen.

Die für mich wahrscheinlichste Erklärung ist, dass wir heute für Engel, Wunder und dergleichen nicht den gleichen Raum geben, wie es die ersten Christen getan haben. Die Not eines kranken Kindes wird durch gute Medikamente gelindert, die sozialen Auswirkungen einer Invalidität wird durch unsere Kranken- und Sozialversicherungen abgefedert, die Herausforderungen einer Krankenheit werden durch die Hoffnungen der modernen Medizin aufgefangen. Da bleibt wenig Platz für den Glauben, der in der Verzweiflung der Unmöglichkeit wächst. Doch wie schaffen wir Raum für das Übernatürliche, das einfach nicht so recht in unsere wissenschaftliche, aufgeklärte Welt passen will?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht und doch gibt es gute Ansätze: Da ist die Frau, die regelmässig für das Kind einer Kollegin betet, das nach der Geburt nicht hören konnte, und jetzt plötzlich doch hören kann. Da ist der Mann, der Verdauungsprobleme hat, weil der Magen nicht mehr richtig schliesst, regelmässig für Heilung betet und dann beim nächsten Untersuch die Bestätigung erhält, dass alles normal ist. Oder da ist das Ehepaar, das vom Arzt gesagt bekommt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft praktisch inexistent ist, sie sich jedoch nicht entmutigen lassen und auf ein Wunder hoffen, dass sie dann eine gewisse Zeit später in der Form eines Mädchens in den Händen halten dürfen.

Natürlich könnte ich auch von all den Geschichten erzählen, wo Glaube und Gebet nicht das gewünschte Resultat gebracht haben und die Frage bleibt offen, wieso es manchmal klappt und manchmal nicht.

Auf jeden Fall aber möchte ich in meinem Leben und in meiner Familie mehr Raum schaffen, dass Wunder, Engel und Ähnliches passieren, ja sogar normal sind.

14
Dez
09

Oink – Oink

In den letzten Wochen und Monaten wurde so viel über die Pandemie geschrieben, dass man sie schon gar nicht mehr ernst nahm. Tja, wenigstens uns ging es so. Auf jeden Fall hat sie uns jetzt eingeholt, die Grippe. Freitagnacht ging es los und eine überhitzte Eliane übernachtete bei uns im Bett – resp. bei Martina, denn ich verbrachte die Nacht im Taxi. Fieber über 40 Grad hilft zwar mit, das Haus warm zu halten, ist jedoch für den betreffenden nicht gerade angenehm. Eliane meinte nur, sie bräuche jetzt Ruhe und hat sich kurzerhand bei ihrer Grossmutter eingeladen. Ihr geht es jetzt zwar besser, doch nun hat Jonas den Job der organischen Heizung übernommen: 38.5 nach Zäpfchen. Mal sehen, wie schnell es bei ihm durch ist und auf Ruven übergeht. Martina und ich haben den 50:50 Joker eingezogen, d.h. die Grippe wird an uns vorüberziehen müssen. Hoffentlich!

03
Dez
09

zu Besuch in der Vineyard Aarau

Die unterschiedlichsten Menschen haben mit uns – der Vineyard Aarau – Kontakt. Einige schneien  als Erstbesucher in den Gottesdienst rein, andere kommen mit ihren kids in  den Muki-Treff, wieder andere suchen sich an der Spielzeugtauschbörse ein  neues Spielzeug aus.
Was möchten wir, dass diese Menschen im Kontakt mit uns erleben? Als  Christen werden wir oft als intollerant und gesetzlich wahr genommen. Die  Christen halten sich für etwas Besseres. Sie wissen immer, was richtig und falsch ist.  Die sind sowieso gegen jeden, der anders ist oder nicht dasselbe glaubt, wie  sie.
In der letzten Zeit kommen vermehrt Menschen zu uns in den Gottesdienst,  die von der Gesellschaft eher ausgestossen als akzeptiert werden. Sie fühlen  sich anders, leben anders, denken anders als der Durchschnitts-Schweizer.  Bei mir steigt da als erste Reaktion jeweils Unsicherheit auf, manchmal sogar  Ablehnung. Und dabei ist diese natürliche Reaktion genau das Gegenteil von  dem, was ich meinem Gegenüber vermitteln will. Denn ich möchte, dass er  oder sie in erster Linie Liebe, Annahme und Vergebung erfährt. Es sind  nämlich diese drei Dinge, mit denen unser Gott jeden Menschen willkommen  heisst: mit Liebe, Annahme und Vergebung. Bei ihm ist jeder Mensch – egal  welcher Herkunft, egal welcher Religion, egal welcher sexueller Orientierung – geliebt und angenommen und seine Vergebung steht bereit. Seine Liebe,  Annahme und Vergebung gilt dir genauso wie jedem Homosexuellen,  Alkoholiker, Drögeler und Ausländer.
Oft sind es die kleinen Dinge, die Menschen diese Liebe, Annahme und  Vergebung spüren lassen:
“hallo, schön dass du heute bei uns im Gottesdienst bist. Bist du zum ersten mal hier?”
“hey, cool, dass du da bist, Ich bin Boris. Wie heisst du?”
“Hallo, ich bin Boris. Ich glaube, wir sind uns noch nie begegnet. Hier darfst  du dich wie zu Hause fühlen. Komm, wir setzen uns hier gemeinsam an einen  Tisch?”
“Hallo. Schön dass du bei uns im Gottesdienst warst. Darf ich dich zu einem  Kaffee in der Lounge einladen?”

Wenn Menschen in unserer Gemeinschaft Liebe, Annahme und Vergebung  erfahren, lassen wir sie an unserer Familie teilhaben. Als Vineyard-Familie  wollen wir anderen Menschen helfen, Teil der Familie zu werden und  schlussendlich die Liebe, Annahme und Vergebung zu erleben, die von Gott  kommt.