Wenn du dich jemals hässlich fühlst und denkst, keiner würde dich je lieben können,
denke einfach immer daran…
Selbst dieses Auto findet Käufer!
Es gibt wohl keine Bibelstelle, mit der ich so lange auf Kriegsfuss stand, wie die aus 2. Mose 20:
8 Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun, 10 aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst [an ihm] keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore [wohnt]. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag; darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.
Wir Christen sind ja gut im ignorieren von unpässlichen Bibelstellen – aber die mit dem Sabbat ist ja immerhin Teil der Zehn Gebote und daher nicht ganz einfach weg zu denken. Bis anhin hatte ich auch gute Ausflüchte: Ich arbeite schliesslich in der Kirche (was ja ganz wichtig ist), ich bin in so vielen Projekten mit dabei, das Studium sollte auch mal fertig werden, so was geht mit Kindern doch gar nicht… Die Liste liesse sich noch lange weiter führen. Schlussendlich konnte ich mich doch dazu durch ringen, besser einen halben Versuch, als gar keinen zu wagen. Seit einiger Zeit ist der Dienstag nun mein Sonntag – oder eben Freitag.
Meine Erfahrungen bisher:
Seit einiger Zeit treffen wir uns als drei Ehepaare, um über Gott, die Bibel und das Leben zu sprechen. Die letzten male haben wir jeweils vier Kapitel aus dem Markus-Evangelium gelesen, um dann gemeinsam unsere Fragen und Erkenntnisse zu diskutieren. Jeder Abend war spannend und bereichernd – obwohl ich immer noch nicht ganz verstehen kann, wieso Jesus einer Frau die Heilung im ersten Anlauf verweigert und sie später sogar als Hund bezeichnet hat. Und wieso die Schweine dran glauben mussten, passt mir irgendwie auch nicht. Die hätten doch eine prima Ergänzung zu den Broten und Fischen abgegeben – als Sparerips in Honigmarinade oder so. Heute Abend sind nun die letzten vier Kapitel des Markus dran. Jeder von uns überlegt sich, was das Leben und das Sterben von Jesus für ihn selber bedeutet. Eine nicht ganz einfache Frage – doch irgendwie passt sie doch ganz fantastisch in die Kar-Woche. Ehrlich gesagt waren wir drei Männer schon dran, eine gentrennte Runde einzuberufen, d.h. die Frauen könnten unter sich austauschen und wir Fussball schauen – immerhin spielt ja Messi gegen Ibrahimovic. Schlussendlich haben wir uns dann aber doch gegen unsere rein weltlichen Triebe durchgesetzt und werden erst auf die zweite Halbzeit dem Barça-Fieber verfallen. Zurück also zu Jesus, und was sein Leben und Sterben für mich bedeutet.
An Jesus faszinieren mich zwei Dinge, die eigentlich ganz gegensätzlich sind, aber doch zusammen gehören. Zum einen bedeutet Jesus für mich Gottes Liebe, Annahme und Vergebung. In und durch Jesus weiss ich, dass Gott mich einfach liebt, annimmt und mir vergibt. Da ist kein Stress, kein Druck, keine religiöse Verrenkung, sondern einfach diese Einladung, mich lieben, mich annehmen und mir vergeben zu lassen. Zum anderen bedeutet Jesus für mich aber auch Herausforderung, Hingabe und Berufung. In seiner Annahme lässt er mich nämlich nicht dort stehen, wo ich bin. Sein Leben und seine Botschaft fordern mich heraus, so wie er zu werden, andere zu lieben, sie anzunehmen, ihnen zu vergeben. Er lädt mich dazu ein, mich ganz auf ihn einzulassen und ihm nachzufolgen, egal was es kostet. Und darin beruft er mich zu einem Leben mit Sinn und Aufgabe: diese Welt ein Stück besser zu machen.
Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Denn das erste alleine ist langweilig und irgendwie beliebig. Und das zweite alleine ist nur Druck und schrecklich anstrengend. Aber die beiden zusammen sind für mich dermassen faszinierend, dass Jesus einfach mein Held ist, der mir ein Leben gegeben hat, das gleichermassen geerdet und beflügelt ist!
Ruven hat heute vom Einmeter einen Salto gemacht. Er hat seit Wochen geübt und sich heute getraut. Wie krass ist denn das?
Heute morgen sollte in einigen Kirchen der Hirtenbrief von Bischof Huonder verlesen werden. Ein Hirtenbrief ist eine Tradition der katholischen Kirche, bei der ein Oberhaupt (Bischof) den Gläubigen mit Worten Trost spenden oder Rat weiter geben will. Keine grosse Sache also, dachte sich wohl auch Vitus Huonder und hat sich bei der heutigen Ausgabe seines Rundschreibens dem Thema “Ehe” gewidmet. Dabei geht er vor allem darauf ein, wie wichtig eine gute Basis und damit auch eine gute Vorbereitung auf die Ehe ist, damit diese gelingen kann. Daumen hoch, Vitus! Gleichzeitig bekräftigt er aber, dass die Ehe unauflöslich ist und demnach Menschen, die sich zivilrechtlich geschieden haben, aus Sicht der Katholischen Kirche immer noch verheiratet sind. Naja, ein ziemlich schwierig zu vermittelnder Sachverhalt – auch theologisch. Denn in der letzten Konsequenz heisst das – und da ist Huonder ganz stramm auf der römischen Linie – dass geschiedene Menschen (die ja eigentlich immer noch verheiratet sind) nicht wieder heiraten dürfen, sollen oder können und demnach bei einer erneuten Heirat in Sünde leben und demnach von den Sakramenten (Abendmahl, letzte Ölung, etc.) der Kirche ausgeschlossen werden. Harter Stoff also für alle Gescheiterten: in der Katholischen Kirche seid ihr nun nur noch zweitklassige Mitglieder – ähnliche wie der FC Aarau, der im Moment in der Challenge League kickt… Ihr dürft zwar auch ein bisschen Mitspielen, aber so richtig um die Meisterschaft eifern geht nicht mehr.
Besonders krass finde ich die Botschaft, die diese Praxis aussendet: Es gibt gewisse Menschen, die in der Kirche nicht willkommen sind! Es gibt gewisse Menschen, die nicht vollwertig Gottes Gnade und Barmherzigkeit (zum Beispiel ausgedrückt im Abendmahl) für sich in Anspruch nehmen dürfen. Doppelt krass ist es, weil diese Botschaft das genaue Gegenteil von dem ist, was Jesus gelebt hat: Er hat sich mit den Prostituierten umgeben. Er hat mit den Verbrechern gegessen. Er hat den Ausländer bei sich aufgenommen. Bei ihm war nie jemand ausgeschlossen – im Gegenteil hat er jedem eine weitere Chance gegeben. Er hat jedem Menschen, egal wie zerbrochen die Vergangenheit oder Gegenwart war, Gottes Liebe, Annahme und Vergebung gezeigt. Bei Jesus sind die Geschiedenen willkommen. Ja, wir sollen und dürfen uns für starke Familien und Ehen einsetzen. Und ja, jede Scheidung ist eine Katastrophe. Die Frage ist aber nicht, wie ich Menschen, die geschieden sind, ausschliesse und noch eins oben drauf haue, um mich selber und die Kirche rein zu bewahren. Als ob Gott es nötig hätte, dass ich ihn verteidige oder vor dem Bösen bewahre. Und doch verstehe ich das Anliegen von Bischof Huonder wieder sehr gut: wie können wir als Kirche und als Gesellschaft dazu beitragen, dass Ehen und Familien gesund sind und nicht auseinander brechen – würde aber gleichzeitig anfügen: wie können wir als Gläubige und als Gemeinschaft offen sein für Menschen, die anders sind: Gescheiterte, Ausländer, Drögis, Alkis, etc. Wie können wir Menschen, die ja schon wissen, dass sie versagt haben, die sich vielleicht selber ablehnen, die von anderen abgelehnt wurden, zeigen, dass Gott sie annimmt, sie liebt, ihnen vergibt – und wie können wir diese Liebe, diese Annahme, dieser Vergebung auch praktisch in der Gemeinschaft ausdrücken?
Leider kriegt man die Komplexität des Lebens nicht immer so rund zusammen. Wenn man für das eine ist, muss man vielleicht auch gegen das andere sein. Dieser Hirtenbrief ist da ein gutes Beispiel. Und doch ist es eine verpasste Chance zu zeigen, dass es in der Kirche nicht in erster Linie um richtig und falsch geht, sondern um Barmherzigkeit. Zu zeigen, dass es einen Gott gibt, der uns in erster Linie liebt, annimmt und uns vergibt – und aus der unmöglichsten Situation und aus dem grössten Zerbruch etwas Ganzes und Heiles machen kann. Irgendwie ermutigend, dass sich einige Seelsorger und Priester weigern, den Hirtenbrief, so wie er jetzt vorliegt, in ihren Gemeinden vorzulesen. Und ich hoffe, dass es ihnen gelingt, damit nicht nur eine Protestnote zu platzieren, sondern eine Botschaft der Barmherzigkeit und der Gnade zu senden, die eigentlich der Kern jeder Kirche ist – auch der Katholischen.
Man lernt wohl kaum ein Land so gut kennen, wie wenn man mit dem Auto durch fährt. Ich durfte schon einige machen. Die Fahrt von Freetown nach Makeni dauert so um die vier Stunden, für dich heute nur vier Minuten:
Mittlerweile bin ich über eine Woche zurück in der Schweiz und der Alltag stellt sich langsam wieder ein. Zwei Wochen war ich in Nigeria und Sierra Leone unterwegs – und es war ereignisreicher und vor allem auch anstrengender, als geplant. Doch trotz allen Herausforderungen haben sich Aufwand und Kosten mehr als gelohnt! Unser Beitrag als Vision West Afrika und als Vineyard bereichert die Leben von hunderten von Menschen nachhaltig. Als Vision West Afrika geben wir unzähligen Menschen die Möglichkeit, sich zu bilden. Sie lernen lesen und schreiben – sie lernen rechnen – sie lernen den Umgang mit dem Computer – sie lernen ein praktisches Handwerk. Und mit jeder neu erworbenen Eigenschaft steigt die Hoffnung! Die Hoffnung auf ein Leben in Würde. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Hoffnung, nicht immer nur vom Hand in den Mund zu leben. Die Hoffnung, für die nächste Generation.
Am meisten hat mich die Geschichte von Alfred Bangura. Er ist nun dreissig Jahre alt. Vor drei Jahren kam er zum ersten Mal in unsere Schule in Allen Town, wo er Lesen und Schreiben lernte. Er war einer der eifrigsten Schüler und so gaben wir ihm und vier anderen Schülern die Gelegenheit, den offiziellen Schulabschluss, das BECE (Basic Education Certificate Examination), nachzuholen. Das BECE ist in Sierra Leone der Ausweis, das man lesen und schreiben kann und bildet die wichtigste Grundlage, um einen Job zu erhalten. Mittlerweile hat Alfred in einer Auto-Garage eine gute Arbeit gefunden. Mit seinem Lohn kann er nun nicht nur sich selber finanzieren, er unterstützt auch seinen jüngeren Bruder in seiner Ausbildung. Alfred möchte aber noch mehr – er bat uns, ihm eine weitere Ausbildung zu ermöglichen, damit er an der Uni studieren kann.
Ich habe viele Leute wie Alfred getroffen – und mit wenig Geld können wir sie unterstützten. Mehr zu unserer Arbeit in Sierra Leone und Nigeria findest du hier.